Denkmalschutz: Das müssen Sie bei Um- und Ausbau beachten
Janina Bianchera

Janina Bianchera

08.08.2022

Denkmalschutz: Das müssen Sie bei Um- und Ausbau beachten

Wer eine denkmalgeschützte Liegenschaft besitzt, ist bei der Wahl der Ausbaumöglichkeiten eingeschränkt. Bauherren sollten deshalb die Denkmalpflege so früh wie möglich miteinbeziehen. Diese unterstützt Renovationen zwar, entscheidet aber von Fall zu Fall welchen Kostenanteil sie übernimmt.

Das Haus aus dem Jahr 1785 stand mitten im Dorf Escholzmatt (LU). Jede und jeder dort kannte es. Es war seit 20 Jahren unbewohnt und baufällig, was bereits in einem Gutachten 2011 festgestellt worden war. Der damalige Besitzer unterliess es jedoch, das Haus instand zu halten und verkaufte es. Der neue Besitzer wusste um die Baufälligkeit und wollte an dieser Stelle einen Ersatzbau realisieren. Im Jahr 2020 reichte er dazu zuerst ein Abbruchgesuch und im November ein Baugesuch ein, wie die Wochen-Zeitung für das Emmental und das Entlebuch schreibt. Beides wurde von der Gemeinde jedoch abgelehnt. Und der Denkmalschutz wollte ein qualitätssicherndes Verfahren und verlangte einen Projektwettbewerb. Das wollte der neue Besitzer nicht. Ihm riss der Geduldsfaden mit dem Brüggerhaus. Er wollte nicht mehr warten und liess ohne Bewilligung die Bagger vorfahren. Es folgte ein Baustopp, dann eine Busse über 30'000 Franken und eine Gerichtsverhandlung.

Die Fachleute der Denkmalpflege frühzeitig beiziehen erleichtert den Umbau, schreibt dazu hausinfo.ch. Denn die Denkmalpflege ist gesetzlich verpflichtet, sich in einem Fachbericht zum Vorhaben zu äussern, wenn das Baugesuch eingereicht wird. Erteilt wird die Bewilligung durch die Gemeinde oder den Regierungsstatthalter, nicht durch die Denkmalpflege. Darum kann die Entscheidung aus triftigen Gründen von der Meinung des Fachberichts abweichen. Üblich ist aber in den meisten Fällen ein einvernehmliches Verfahren. Die Denkmalpfleger versuchen, Projekte mit den Bauherren zu entwickeln und ihnen damit böse Überraschungen zu ersparen, wenn sie den Fachbericht einreichen. Nur gerade in vier von 1000 Fällen komme es zu Beschwerden im offiziellen Verfahren, schreibt hausinfo.ch weiter.

 

Werterhaltende Massnahmen werden unterstützt

Wenn die Denkmalpflege mitredet, unterstützt sie Umbauprojekte in den meisten Fällen finanziell. Beitragsberechtigt sind werterhaltende Arbeiten, nicht aber wertvermehrende. Grundsätzlich ist eine Mitfinanzierung bei allen Objekten des Bauinventars möglich. Die Bauherren haben aber keinen Anspruch, die Fachstelle entscheidet, ob eine Unterstützung angebracht ist oder nicht. Gut zu wissen: Bei Beiträgen ab 5000 Franken ist die formelle Unterschutzstellung durch Vertrag und Eintrag im Grundbuch Bedingung.

In der Schweiz unterliegt der Heimat- und Denkmalsschutz wesentlich den Kantonen, die Einzelheiten mit einer entsprechenden kantonalen Gesetzgebung regeln und entsprechende Renovierungs- oder Umbaumassnahmen durch die Denkmalpflege begleiten. Unterteilt werden die Kulturdenkmäler in 3 Kategorien: A - nationale Bedeutung; B - regionale Bedeutung; C - lokale Bedeutung.

 

Ortsbildschutz soll verstärkt werden

Doch die Denkmalpflege und der Heimatschutz geraten immer öfter in die Kritik. Vor allem wenn es um den sogenannten Ortsbildschutz geht, stehen sich Bauwillige und Heimatschutz sehr oft feindlich gegenüber. Das Bundesamt für Kultur (BAK) und das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) haben in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe Empfehlungen zum Umgang mit dem Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) bei Planungen erarbeitet. Als Grundlage der Empfehlungen diente eine Untersuchung in sechs Schweizer Städten und Gemeinden. Dabei wurde der Fokus auf die Vereinbarkeit des ISOS mit dem Auftrag der Siedlungsentwicklung nach innen gelegt. Die Analyse von Praxisbeispielen zeige, dass lückenhafte planerische Verfahren, Fehler bei der Anwendung des Inventars und unsachgemässe Interessenabwägungen zu Schwierigkeiten bei der Berücksichtigung und Akzeptanz des ISOS führen können, heisst es darin. Richtig angewendet, stelle das ISOS eine Chance für eine qualitativ hochwertige Verdichtung dar und leiste somit einen wichtigen Beitrag zu einer hohen Baukultur in der Schweiz.

Für Städte und Gemeinden empfehle es sich beispielsweise, frühzeitig anhand einer räumlichen Gesamtschau, etwa im Rahmen eines kommunalen Richtplans, eine Strategie und ein «Bild» zu entwickeln, das zeigt, wo in der Gemeinde eine Entwicklung durch Verdichtung sinnvoll ist und welche Gebiete in ihrem Charakter mehrheitlich erhalten bleiben sollen. Die Kantone sollen das Bundesinventar besser positionieren, damit allen Beteiligten bewusst ist, dass das ISOS ein Fachinventar ist und damit Grundlagen zur Interessenabwägung darstellt, heisst es im Bericht weiter. Der Bund wird unter anderem beauftragt, das bestehende Beratungsangebot für die Kantone sowie für die Städte und Gemeinden zu erweitern.

 

Immobilienwirtschaft äussert Kritik

Nicht einverstanden mit der gegenwärtigen Umsetzung des ISOS sind verschiedene Akteure aus der Immobilienwirtschaft. Kritisiert wird, dass das Bundesinventar für schützenswerte Ortsbilder ursprünglich nur für Bundesbauten vorgesehen war und nun für ganze Städte als verbindlich bei Neubauten erklärt werde. Dadurch würden einfach Ortsbilder und damit Altbauten geschützt, ohne dass bisher die Gelegenheit bestand, zu diesen Schutzzielen Stellung zu beziehen. Es gab auch nie eine Abstimmung über ISOS. Hier habe der Bund ein Bauverhinderungskonstrukt ohne das Volk geschaffen. Gerichte hätten die Idee von ISOS aufgenommen und so mit fragwürdigen Entscheiden viele Neubauten verhindert. Jeder Einsprecher oder Einsprecherin versuche heute Einsprachen mit dem ISOS zu begründen. Die gewünschte Verdichtung in den Städten könne daher nicht wie geplant stattfinden. Dies habe bei anhaltend sehr starker Nachfrage bedeutende Auswirkungen auf die Angebotsseite.

 

Was ist der Unterschied zwischen Heimatschutz und Denkmalpflege?

Bund, Kantone und verschiedene Städte haben Fachstellen geschaffen, die sich dem Erhalt und der Pflege historischer Kulturgüter widmen. Diese staatlichen Fachstellen, die einen Gesetzesauftrag umsetzen, werden verkürzt «Denkmalpflege» genannt. Weitere Informationen: http://www.denkmalpflege.ch

Der Schweizer Heimatschutz und seine kantonalen Sektionen sind privatrechtlich organisierte Vereine, die sich ebenfalls dem Erhalt und der Pflege historischer Kulturgüter widmen. Ihre Tätigkeiten werden durch Mitgliederbeiträge, Spenden und Legate sowie durch Einnahmen durch den Verkauf von Publikationen und dem Schoggitaler finanziert. Der Einsatz von vielen Freiwilligen macht es möglich, dass viele historisch wertvolle Kulturgüter erhalten bleiben. Der Heimatschutz kann keine Häuser unter Schutz stellen. Mit dem Verbandsbeschwerderecht besitzt er jedoch auf Bundesebene und in verschiedenen Kantonen das Recht, Entscheide von Gerichten und Behörden auf ihre Vereinbarkeit mit den gesetzlichen Grundlagen zu überprüfen