Die Zeit der fossilen Energien ist abgelaufen
Janina Bianchera

Janina Bianchera

26.09.2022

Die Zeit der fossilen Energien ist abgelaufen

Der Energieverbrauch in der Schweiz hat 2021 zugenommen. Dass soll sich nun ändern, angesichts der Energieknappheit und der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung. Vor allem Heizungen mit fossilen Energieträgern sollen mittelfristig ersetzt werden. Doch der Weg dazu ist lang. Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) hat nun am 21. September 2022 die Vernehmlassung zu Teilrevisionen von verschiedenen Verordnungen im Energiebereich eröffnet.

Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer hat erkannt, dass die Zeit der fossilen Energien abgelaufen ist. Man kann den Umbau der Energieversorgung allenfalls noch etwas herauszögern – oder aber beschleunigen. Die meisten Menschen in der Schweiz möchten möglichst schnell die Energie-Abhängigkeit vom Ausland reduzieren, die sich als so fatal erwiesen hat. Tausende Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer haben jetzt drängende Fragen: Muss ich nun eine Solaranlage bauen? Was ist, wenn meine Heizung aussteigt? Darf ich eine Wärmepumpe installieren? Soll ich auf die Fernwärme-Erschliessung warten? Wenn ja, wann werden die Leitungen in mein Quartier kommen? Auf all diese Fragen müssen Antworten gesucht werden, nur so kann die Energiewende gelingen.

Energieverbrauch noch nicht rückläufig

Der Endenergieverbrauch der Schweiz ist 2021 gegenüber dem Vorjahr um 6,3 Prozent auf 794’720 Terajoule (TJ) gestiegen. Hauptgründe dafür sind die im Vergleich zum Vorjahr kältere Witterung und die Lockerung der Restriktionen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie, schreibt das Bundesamt für Energie BFE. Der Anstieg des Endenergieverbrauches um 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr sei hauptsächlich auf zwei Faktoren zurückzuführen. Erstens sorgten die gelockerten Restriktionen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie für einen generellen Anstieg des Energieverbrauchs. Zweitens trug die im Vergleich zum Vorjahr (2020) deutlich kältere Witterung zu einer Zunahme des Verbrauchs der Energieträger, die zu Heizzwecken eingesetzt werden. Die Anzahl Heizgradtage, ein wichtiger Indikator für den Energieverbrauch zu Heizzwecken, nahm um 15,3 Prozent zu. Leicht zugenommen haben ebenfalls Faktoren, die den langfristigen Wachstumstrend des Energieverbrauchs bestimmen: Die ständige Wohnbevölkerung (+0,8%), das Bruttoinlandprodukt (+3,7%), der Motorfahrzeugbestand (+1,1%) und der Wohnungsbestand. Effizienzsteigerungen und Substitutionseffekte wirken sich hingegen dämpfend auf das Wachstum des Energieverbrauchs aus.

Verbrauchsanstieg von Energieträgern zu Heizzwecken

Die kalte Witterung führte zu einem deutlichen Zuwachs des Verbrauchs von Energieträgern zu Heizzwecken. Der Verbrauch von Heizöl extra-leicht stieg 2021 um 10,9 Prozent, derjenige von Erdgas um 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Elektrizitätsverbrauch nahm ebenfalls zu (4,3%). Diese drei Energieträger machen mehr als die Hälfte des Endenergieverbrauches aus (55,3%). Die kalte Witterung wirkte sich auch auf alle erneuerbaren Energieträger zu Heizzwecken aus. Die Verbräuche von Energieholz und Fernwärme stiegen um 16,4 und 9,7 Prozent. Ebenfalls stark angestiegen ist die Nutzung von Umgebungswärme mit Wärmepumpen (+17,7%). Der Verbrauch von Solarwärme blieb auf Vorjahresniveau. Der Anteil dieser Energieträger am gesamten Endenergieverbrauch betrug 11,8 Prozent (Energieholz: 5,8%, Umgebungswärme: 2,8%, Fernwärme: 2,9%, Solarwärme: 0,3%).

Energiesparen wird nun zu einer der wichtigsten Massnahmen, die auch Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer anwenden können. Unterstützung liefert dazu das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen. 361 Millionen Franken flossen 2021 laut BFE aus dem Programm zur Förderung von energetischen Sanierungen und effizienten Neubauten an fertiggestellte Projekte. Im bisherigen Rekordjahr 2020 waren 299 Millionen Franken ausbezahlt worden. Am meisten Geld floss 2021 in Wärmedämmprojekte (126 Millionen Franken), die stärkste Zunahme verzeichneten aber die Haustechnikprojekte. An Projekte aus dieser Kategorie wurden gegenüber 2020 70 Prozent mehr Geld ausbezahlt (106 Millionen Franken). Der Grossteil dieser Auszahlungen wiederum floss in Heizungsersatzprojekte. Über alle Massnahmenbereiche gesehen hat das Gebäudeprogramm 2021 den Ersatz von rund 14’000 fossilen oder elektrischen Heizungen unterstützt. Ein Grossteil davon wurde durch Wärmepumpen ersetzt. In naher Zukunft sollen 20'000 Heizungen ersetzt werden.

Ganzjährige Nutzung

Heizungen werden in der Regel ganzjährig genutzt: einerseits um Warmwasser zu erhitzen und andererseits um im Winter auch die Räume in Gebäuden zu erwärmen. Zurzeit kommen dabei noch viele Ölheizungen und Gasheizungen zum Einsatz, aber auch Wärmepumpen, Pelletheizungen, Hackschnitzelheizungen oder Holzheizungen werden eingesetzt. Der Trend bezüglich des Heizsystems geht klar weg von fossilen Brennstoffen in Richtung erneuerbarer Energieträger. Deshalb sind Solarthermie-Anlagen, die Sonnenstrahlen in Heizwärme umwandeln, immer öfter zu berücksichtigen.

Welche Heizung eignet sich für die Zukunft am besten? Von vielen Experten empfohlen werden Wärmepumpen, Solarthermie, Pelletheizungen, Brennstoffzellen, oder Blockheizkraftwerke. Ausserdem können fossil befeuerte Heizungen mit erneuerbaren Energien kombiniert und somit als Hybridheizung genutzt werden.

Im Trend: Ein- und Zweifamilienhäuser heizen mit einer Wärmepumpe. Dazu kann eine Solaranlage oder auch ein effizienter Kaminofen kombiniert werden. In Innenstädten und Ballungszentren sind erneuerbare Wärmenetze mit grüner Fernwärme gefragt.

Zustand des Gebäudes ist massgebend

Welche Heizung zum Einsatz kommen soll, hängt immer massgeblich vom Zustand des Hauses ab, aber auch von der Preisentwicklung der Rohstoffe, vom vorhandenen Wärmeverteilsystem, von den persönlichen Präferenzen, und von den regionalen Vorschriften. Für Neubauten ist eine Wärmepumpe fast überall die beste Lösung, aber auch Gasheizungen in Kombination mit einer Solarthermie-Anlage können zumindest mittelfristig für viele Neubauten empfohlen werden. Aber nur, wenn sich der Gaspreis nicht noch weiter nach oben entwickelt. Experten raten auch zu einer Kombination mit einem Wärmepumpen-Boiler, da er im Gegensatz zu einer Solarthermie-Anlage nur sehr geringe Anschaffungskosten verursacht.

Bei Altbauten wird die Suche nach der richtigen Heizung schon etwas komplexer. Zu berücksichtigen gilt es hier, ob das Gebäude in naher Zukunft auch gedämmt werden soll, denn wenn sich der Wärmebedarf reduziert, kommen auch andere Heizungen in anderen Leistungsklassen in Frage. Eine Investition in eine neue Heizung lohnt sich bereits nach 15 bis 20 Jahren. Denn selbst wenn nur die alte Gasheizung durch eine neue ersetzt wird, reduzieren sich die Heizkosten meist schon um 15 Prozent (in Einzelfällen auch 30 Prozent). Wenn die technischen Voraussetzungen (genügend grosse Wärmeabgabeleistung der Radiatoren, Vorlauftemperatur usw.) gegeben sind, macht der Einbau einer Wärmepumpe auch in einem weniger gedämmten Altbau durchaus Sinn.