Hypothekarwachstum – stärkster Anstieg seit sechs Jahren

Hypothekarwachstum – stärkster Anstieg seit sechs Jahren

05.08.2021, Pfäffikon SZ

In der ersten Jahreshälfte dominierten die Coronakrise und die Impfkampagne das Geschehen an den Kapitalmärkten, schreibt die UBS in ihrer aktuellen Zinsprognose.

In der zweiten Jahreshälfte dürfte das Interesse aber mehr darin liegen, wie stark sich die Konjunktur erholt und wie die Zentralbanken, insbesondere die US-amerikanische Federal Reserve (Fed), darauf reagieren.

«Wenn sich die US-Wirtschaft deutlich belebt, dabei steht der US- Arbeitsmarkt im Mittelpunkt, dann sollte die Fed den Investoren Hinweise geben, dass sie im nächsten Jahr gewillt ist, die Anleihenankäufe zu reduzieren und dann 2023 eine erste Zinsanhebung vorzunehmen». Solche Hinweise dürften in der zweiten Jahreshälfte zu einem Zinsanstieg bei den US-Anleihen und in gedämpfter Form auch bei Schweizer Anleihen führen. Bis dann aber in der Schweiz die Diskussion um einen ersten Zinsschritt losgehe, werde es mindestens 2024 bis zum Hypothekarwachstum – wenn nicht später. In einem solchen Umfeld dürften die Zinsen von Regierungsanleihen und Hypothekarzinsen laut UBS auch in der zweiten Jahreshälfte insgesamt auf einem tiefen Niveau bleiben – trotz eines leichten Anstiegs.

Auf den Spuren des Begriffs «Hypothek»

Claudio Saputelli, Leiter CIO Wealth Management Swiss & Global RealEstate bei der UBS hat sich mit dem Bergiff «Hypothek» auseinandergesetzt. Dieser stammt aus dem Altgriechischen und enthält die Wortbestandteile «unter» («hypo«) und «legen» («tithénai») – also eine «Unter-Lage» in Form eines Pfandes für einen Kredit. Anders hingegen im Englischen: Das Wort «mortgage» hat seinen Ursprung in der altfranzösischen Sprache und besteht aus «tot» («mort») und «Versprechen» («gage») – der Deal, oder eben das «Versprechen» stirbt, sobald die Schulden getilgt sind oder der Kredit nicht zurückgezahlt wird. Im letzteren Fall fiele das Grundstück dem Pfandgläubiger zu.

Befeuert durch die starke Nachfrage nach Wohnimmobilien, erleben diese «Versprechen» laut Saputelli gerade einen starken Wachstumsschub. Bei privaten Haushalten nimmt derzeit die ausstehende Kreditsumme um rund drei Prozent pro Jahr zu und damit am stärksten seit Ende 2015. Auch die Zahl neu abgeschlossener Kreditverträge liege rund zehn Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Verschuldungsquote der Privathaushalte, die bereits weltweit zu den höchsten gehört, nimmt also weiter zu. «Dies unter anderem auch, weil hierzulande das Steuersystem Anreize setzt, welche die Verschuldung fördert. Womöglich ist dies der Grund, weshalb sich hierzulande der Begriff «Hypothek» durchgesetzt hat», ist Claudio Saputelli überzeugt.